ZWISCHENZEIT

Eine fotografische Betrachtung von Raum

 

 

 

Der Wert eines Ortes wird lediglich über seinen Nutzen für den Menschen bestimmt. Was aber ist ein Ort, von dessen Nutzen wir keinen Gebrauch machen?

 

Durch den Entzug von Licht sind wir in der Lage Bereiche unseres alltäglichen Lebens bedeutungslos werden zu lassen. Schwimmbäder, Kinos, Sportanlagen usw. fallen bei Dunkelheit in einen Stillstand der sie in die vorübergehende Nutzlosigkeit führt und sie somit zwischenzeitlich zu Unorten werden lässt an denen der Mensch nichts mehr verloren hat. Sie werden zu Zwischenräumen ohne klare Funktion. Wo sonst Ausgelassenheit und Aktivität herrscht, wird durch die Dunkelheit das offene Lebensgefühl aufgehoben und Unbehagen und Beklemmung geweckt.

 

Der Einfluss der Dunkelheit, sei es durch den natürlichen Einbruch der Nacht oder das Ausschalten oder Entfernen künstlicher Lichtquellen, führt zu einer Verfremdung des sonst so Vertrauten von der wir uns fernzuhalten wissen. Der Moment versinkt in eine Ortlosigkeit die in vielen Fällen als beklemmend und furchteinflößend wahrgenommen wird aber auch eine verführerische, ästhetische Anmutung besitzt.

 

An Orten die nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden sollen, verzichtet man bewusst auf ein vermeintliches Sicherheitsgefühl erzeugt durch Kunstlichtquellen, um den Menschen auf Abstand zu halten. Hier wird deutlich, dass Dunkelheit einen anderen Zeitraum eröffnet. Einen Zeitraum, in dem die Welt wie wir sie sehen, eine Spiegelung erfährt. Der Ort der bei Licht den Menschen anzuziehen versucht, vertreibt ihn regelrecht bei Dunkelheit. Mit der Abwesenheit von Licht zieht er sich aus dem Zentrum unseres Interesses zurück und fällt in einen konkreten Zustand der uns trügerisch vorkommt, denn er scheint in die Konstruktion unserer Realität einzugreifen.

 

Lichtquellen bestimmen was -und vor allem wie-  wir etwas zu sehen haben. Wie unsichtbare Trennwände rahmen sie das Geschehen ein, fügen dem realen Ort eine neue Ebene hinzu und formieren ihn neu. Die Motive desertieren zwischen Raum und Fläche. Eigentlich klare Konturen werden verschleiert und führen zu einer Überschneidung von Realität und Fiktion. 

 

Der Mensch ist nur in seinen zurückgelassenen Spuren sichtbar und spielt dennoch eine Rolle. Durch seine Nichtexistenz trägt er die Verantwortung für die Leere und Stille einer Kulisse, die nur lebendig wird, wenn er einen Nutzen darin erkennt. Das Verlassene und Ignorierte der Momente schafft einen intensiven Kontakt zum Wahrgenommenen und bricht im Zusammenspiel den Stillstand auf mit dem wir uns so konfrontiert fühlen. Sie bekommen ein Podest, auf dem sie eine Art geistige Existenz in unsere äußere Welt präsentieren. Sie sind Projektionsflächen für Phantasien die zugleich stumm und erzählend, leer und rätselhaft in Erscheinung treten.

 


Bachelorarbeit

FH Bielefeld, Februar 2016